
© Christoph Wehrer / Stiftung Kinder forschen
Herbstspaziergang in der Kita: So gelingt ein echtes Forschungserlebnis
Spaziergänge im Herbst sind besonders schön und laden Kinder zum Entdecken ein. Doch wie wird aus einem Ausflug ein echtes Forschungserlebnis? Schon mit kleinen Impulsen kannst du Kinder dazu anregen, genauer hinzuschauen, Fragen zu stellen und gemeinsam Naturphänomenen auf den Grund zu gehen. Hier findest du konkrete Tipps und Anregungen, wie du als Erzieher:in MINT-Bildung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und Nachhaltigkeit ganz einfach in den nächsten Spaziergang integrierst – ohne besondere Vorbereitung.
Warum der Herbst zum Forschen einlädt
Der Herbst verändert die Welt direkt vor der Tür: Früchte fallen von Bäumen, Blätter färben sich, Insekten ziehen sich zurück, Vögel fliegen in den Süden und das Wetter wird rauer. Veränderungen wie diese bieten zahlreiche Anlässe zum Entdecken und Forschen. Die Kinder können vieles beobachten, vergleichen, sortieren, Vermutungen anstellen und gemeinsam nach Erklärungen suchen. Genau das sind wichtige Bestandteile von MINT-Bildung. Ein Forschungserlebnis entsteht dabei nicht durch ein vorgegebenes Programm, sondern durch eine passende Begleitung. Dabei erfahren Kinder, wie jahreszeitliche Veränderungen das Leben von Pflanzen, Tieren und Menschen beeinflussen.

Lass dich beim Spaziergang vom Staunen und der Neugier der Kinder leiten. Oft entstehen aus unerwarteten Fragen die wertvollsten Lerngelegenheiten.
5 Tipps: Kinder draußen beim Entdecken und Forschen begleiten
Ein Herbstspaziergang als Forschungserlebnis braucht kein besonderes Material und keine aufwändige Vorbereitung. Entscheidend ist deine Rolle als Lernbegleiter:in. Gib den Kindern Zeit zum Beobachten, greife ihre Ideen auf und unterstütze sie dabei, eigene Wege des Entdeckens zu gehen. So wird ein alltäglicher Spaziergang zu einer wertvollen Lerngelegenheit. Unsere fünf Tipps helfen dir dabei, beim nächsten Ausflug spannende Forschungsmomente entstehen zu lassen.

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1. Plane Zeit zum Beobachten und Entdecken ein
Ein Forschungserlebnis braucht keine feste Agenda. Gib Kindern Zeit und Raum, an spannenden Stellen stehen zu bleiben, genauer hinzuschauen und eigene Entdeckungen zu machen: bunte Pilze sprießen, Blätter schwimmen auf großen Pfützen, ein Eichhörnchen sammelt Eicheln vom Boden, der Wind pustet etwas durch die Luft. Im Herbst verändert sich die Natur nahezu täglich. Genau diese Veränderungen laden zum Forschen ein. Dabei entdecken Kinder ganz nebenbei, wie Pflanzen, Tiere und Wetter miteinander zusammenhängen. Nimm den Spaziergang zum Anlass für Fragen wie:
- Was hat sich draußen in den letzten Tagen verändert?
- Was finden wir heute, was vorher noch nicht da war?
Typische Stolperfalle: Den Spaziergang zu eng planen und wenig Zeit für spontane Entdeckungen lassen.
2. Begleite Kinder mit offenen Fragen
Beim Forschen geht es nicht darum, sofort die richtige Antwort zu kennen. Viel wichtiger ist es, Kinder dabei zu unterstützen, eigene Vermutungen zu entwickeln. Wenn sich ein Kind zum Beispiel wundert, warum Kastanienschalen so stachelig sind, wieso Wassertropfen am Spinnennetz hängen oder ob der Regenwurm sieht, wo er hinkriecht, könntest du mit Fragen wie diesen zum Weiterdenken anregen:
- Was genau fällt dir auf?
- Was glaubst du, warum das so ist?
- Wie könnten wir das herausfinden?
- Was könnten wir ausprobieren?
Auch Fragen zu Zusammenhängen in der Natur regen zum Nachdenken und Forschen an, zum Beispiel:
- Wer lebt unter dem Laub?
- Was passiert mit den Blättern im Winter?
- Warum leben manche Tiere lieber hier und andere dort?
Ergänze diese Fragen gerne um ein „Was denkst du?“, denn es geht nicht darum, Antworten abzufragen, sondern die Vermutungen und Gedanken der Kinder zu erfahren, an die man gemeinsam anknüpfen kann.
Typische Stolperfalle: Beobachtungen erklären, statt gemeinsam weiterzudenken.
3. Lass Kinder selbst aktiv werden
Kinder lernen, wenn sie ausprobieren, vergleichen und Zusammenhänge entdecken können. Lass sie eigene Ideen entwickeln und ihre Vermutungen überprüfen. Du wirst erleben, wie kreativ Kinder dabei sind. Beim Herbstspaziergang könnten sie zum Beispiel:
- Naturmaterialien sammeln und vergleichen
- Blätter nach Farbe, Form oder Größe sortieren
- Spuren von Tieren entdecken und überlegen, von wem sie stammen könnten
- Beobachten, welche Pflanzen zu finden sind
- Probiere gern auch unsere Forscheridee Natur-Memory aus.
Typische Stolperfalle: Nur nach einem bestimmten Ergebnis suchen.

4. Erkundet mit allen Sinnen
Der Herbst bietet viele Möglichkeiten, die Natur und ihre Veränderungen mit allen Sinnen zu erkunden. So lernen Kinder ihre Umwelt aufmerksam wahrzunehmen, Unterschiede zu erkennen und Zusammenhänge zu entdecken. Die Kinder können zum Beispiel:
- Blätter rascheln hören: Klingen trockene und feuchte Blätter unterschiedlich?
- Gerüche wahrnehmen: Wie riecht feuchte Erde oder feuchtes Laub?
- Wind und Temperaturen spüren: Wie fühlt sich das auf der Haut an?
- Herbstfarben erkunden: Welche Farben haben die Blätter verschiedener Bäume?
- Probiere gern auch unsere Idee Forschersinne in der Natur wecken aus.
Typische Stolperfalle: Den Fokus nur auf das Sehen legen.

5. Greife Entdeckungen wieder auf und forscht weiter
Ein Herbstspaziergang endet nicht mit der Rückkehr in den Kindergarten. Beobachtungen, Fundstücke und Fotos vom Ausflug können zum Ausgangspunkt für weitere Nachforschungen werden. Daraus und aus den Fragen, die während des Ausflugs nicht beantwortet werden konnten, entstehen längere Lernprozesse. Vielleicht entwickeln die Kinder dabei auch Ideen, wie sie die Natur rund um ihre Kita unterstützen können – etwa indem sie Laubhaufen bewusst liegen oder verblühte Pflanzen stehen lassen, um Tieren geschützten Raum zum Überwintern zu schaffen.
Greife die Ideen der Kinder nach dem Spaziergang nochmals auf:
- Was möchten wir genauer untersuchen?
- Welche Vermutung wollen wir überprüfen?
- Was könnten wir herausfinden?
- Diese Forschungsidee könnte zum Beispiel spannend sein: Was steckt denn da im Boden?
Typische Stolperfalle: Den Spaziergang als einzelne Aktivität sehen und nicht als Teil eines Prozesses.
Viel Spaß beim Entdecken der Veränderungen und dem Erforschen der Kinderfragen im Herbst!


