Direkt zum Seiteninhalt springen

Während Künstliche Intelligenz im Schulbereich bereits breit diskutiert und erprobt wird, gewinnt sie zunehmend auch in der frühen Bildung an Bedeutung. Digitale Anwendungen halten Einzug in Kitas – doch verbindliche Leitlinien und eine fachlich fundierte Einordnung fehlen bislang.

Vor diesem Hintergrund legt die Stiftung Kinder forschen als größte frühkindliche Bildungsstiftung Deutschlands ein Positionspapier zum Einsatz von KI in Kindertageseinrichtungen vor. Ziel ist es, Trägern, pädagogischen Fachkräften und politischen Entscheidungsträgern Orientierung zu geben und den Diskurs aktiv mitzugestalten.

Im Zentrum steht ein klares Prinzip: KI darf pädagogisches Handeln nicht ersetzen. "KI kann Unterstützung und erste Assistenz sein – aber keine erste Pädagogin", heißt es im Positionspapier.

Die pädagogische Fachkraft bleibt zentraler Bezugspunkt im Bildungsprozess. Beziehung, Erfahrung, Empathie und Ko-Regulation seien nicht technologisch ersetzbar. Dr. Tobias Ernst, Vorstand der Stiftung Kinder forschen, betont: "Die Fachkraft-Kind-Beziehung bleibt zentral. Zudem ist KI kein Allheilmittel für strukturelle Herausforderungen wie Fachkräftemangel oder Bildungsungleichheit. Sie hat jedoch das Potenzial pädagogische Prozesse zu verbessern, indem sie Lernangebote individuell-adaptiv an die Bedürfnisse der Kinder anpasst. Das entlastet Fachkräfte und stärkt Kinder in ihrer Selbstwirksamkeit."

Dr. Tobias Ernst vor einem Büro in der Stiftung Kinder forschen
KI ist kein Allheilmittel für strukturelle Herausforderungen wie Fachkräftemangel oder Bildungsungleichheit. Sie hat jedoch das Potenzial pädagogische Prozesse zu verbessern, indem sie Lernangebote individuell-adaptiv an die Bedürfnisse der Kinder anpasst.
Dr. Tobias Ernst Vorstand der Stiftung Kinder forschen

Das Positionspapier differenziert zwischen Möglichkeiten und Grenzen auf drei Ebenen:

1. Organisation der Kita 

KI kann administrative Prozesse wie Dienstplanung, Dokumentation oder Elternkommunikation erleichtern und so Zeit für pädagogische Arbeit schaffen. Gleichzeitig stellen Datenschutz, Datensicherheit und Infrastruktur hohe Anforderungen. 

2. Pädagogische Fachkräfte 

KI kann Fachkräfte bei Beobachtung, Dokumentation, Reflexion und Ideengenerierung unterstützen. Voraussetzung ist jedoch eine gezielte Qualifizierung. Ohne entsprechende Kompetenzen drohen Überabhängigkeit („Over-reliance“) oder Deskilling. Das Leitmotiv lautet: Pädagogik vor Technik.  

3. Kinder 

Adaptive Lernangebote können individuelle Lernprozesse unterstützen und Selbstwirksamkeit stärken. Zudem kann altersgerecht und am individuellen Entwicklungsstand des Kindes orientiert mit den Kindern über den Einsatz von KI im Alltag reflektiert werden. Gleichzeitig gilt: Lernen im Kita-Alter ist beziehungsgebunden. Emotionale Sicherheit und menschliche Interaktion sind nicht ersetzbar.  

Forderungen an die Politik

Um einen verantwortungsvollen und chancengerechten Einsatz sicherzustellen, fordert die Stiftung einen aktiven politischen Gestaltungsrahmen. Dazu gehören: 

  • Verbindliche Integration von KI-Kompetenzen in Aus- und Fortbildung pädagogischer Fachkräfte
  • Verankerung digitaler Bildung und informatischer Grundlagen in frühkindlichen Bildungsplänen
  • Bedarfsgerechte Ressourcenzuweisung zur Sicherung von Bildungsgerechtigkeit
  • Ausbau langfristiger, interdisziplinärer Forschung zu Wirkungen und Gelingensbedingungen von KI in der frühen Bildung 

Das vollständige Positionspapier steht ab sofort auf der Website der Stiftung Kinder forschen zum Download bereit. 

Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des BMBFSFJ dar. Die Verantwortung für den Inhalt der Veröffentlichung liegt bei der Autorin/dem Autor.

Pressekontakt

Boris Demrovski

Pressesprecher

Telefon: 030 23 59 40 -207

E-Mail: presse@stiftung-kinder-forschen.de

Zurück zum Seitenanfang